Schäffer - Harry Potter und die Gesetze der Macht - 2024
Von Jannina Schäffer
2024
Fachmedia Recht und Wirtschaft in Deutscher Fachverlag GmbH
ISBN 978-3800519514
In ihrer Dissertation "Harry Potter und die Gesetze der Macht" gelingt es Jannina Schäffer die komplexen rechtlichen Aspekte der magischen Welt meisterhaft mit den realen, historischen und aktuellen juristischen Herausforderungen zu verknüpfen. Der Ansatz, die Harry-Potter-Welt durch eine rechtsvergleichende Brille zu betrachten, bietet nicht nur für Fans der Bücher einen fesselnden Blick auf die dort bestehenden Machtstrukturen, sondern öffnet auch interessante Perspektiven für juristische und gesellschaftliche Fragestellungen.
Schäffer gelingt es die oft vagen und wenig greifbaren Elemente des magischen Rechts klar und nachvollziehbar darzustellen. Dabei orientiert sie sich stets an den originalen Texten der Harry-Potter-Reihe und schafft es, die fiktionalen Strukturen überzeugend mit realen Rechtsordnungen, insbesondere dem deutschen Recht, zu verbinden.
Besonders spannend für mich als Jurastudent waren die detaillierten Darstellungen von Strafprozessen einzelner Charaktere aus der Harry-Potter-Welt. Die juristischen Auseinandersetzungen und die Entscheidungen, die in der magischen Welt getroffen werden, sind prägnant und greifbar, was mir hilft, die theoretischen Konzepte aus dem Studium in einem praktischen Kontext zu verstehen.
Ein weiterer Pluspunkt der Arbeit ist der außergewöhnlich gute Lesefluss, der im Vergleich zu vielen anderen wissenschaftlichen Arbeiten heraussticht. Schäffer gelingt es, die schwierigen juristischen Themen verständlich und mit einem angenehmen, zugänglichen Stil zu vermitteln, ohne dabei den intellektuellen Gehalt zu verlieren. Diese Balance aus Lesbarkeit und anspruchsvollem Inhalt macht das Werk nicht nur für Jura-student*innen, sondern auch für eine breitere Leserschaft von Interesse.
Ein zentraler Punkt in Schäffers Arbeit ist der Vergleich des magischen Rechts mit dem deutschen Strafrecht und den politischen Entwicklungen unter dem NS-Regime. Besonders hervorzuheben ist die Untersuchung des Einsatzes der Todesstrafe in der magischen Welt, welche mit der Vorgehensweise des NS-Regimes verglichen wird. Schäffer zieht hier einen klaren Bezug zu den Mitteln, mit denen sowohl Voldemort als auch Adolf Hitler die Bevölkerung kontrollieren und politische Gegner beseitigen. Dieser Vergleich ist jedoch auch ein Kritikpunkt, da die Trivialität der magischen Welt und der NS-Zeit zu problematischen, teils makaberen Schlussfolgerungen führen kann. Es stellt sich die Frage, inwieweit solche Vergleiche überhaupt sinnvoll und angemessen sind, da die historische Komplexität des Nationalsozialismus nicht einfach auf fiktive Handlungen reduziert werden kann.
Die Arbeit leidet zudem unter der Schwierigkeit, dass das magische Rechtssystem nur bruchstückhaft in den Büchern dargestellt wird. Schäffer füllt diese Lücken allerdings mit eigenen Hypothesen und erarbeitet plausibel aus den bekannten Informationen ein schlüssiges Bild. Dennoch bleibt der Vergleich mit dem deutschen Rechtssystem in einigen Bereichen unvollständig, was der Tiefe der Analyse etwas abträglich ist. Trotz dieser Mängel gelingt es der Autorin, eine spannende und anspruchsvolle Analyse zu präsentieren, die sowohl juristische als auch literarische Perspektiven miteinander verknüpft.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schäffers Dissertation eine spannende und lebendige Lektüre für alle bietet, die sich für die Schnittstellen zwischen Literatur und Recht interessieren. Sie gelingt es, das komplexe Thema auf verständliche Weise darzustellen und so sowohl Jurist*innen als auch Harry-Potter-Fans zu fesseln. Wer jedoch nach neuen Einsichten in das reale Recht sucht, wird hier nicht fündig, doch das mindert nicht die Wertigkeit des Werkes als Brücke zwischen Fiktion und Realität.